WIR?

Wir Menschen. Wir Europäer. Wir Deutschen. Wir Bochumer. Wir Muslime. Wir Christen. Wir Patrioten. Wir Verteidiger des Abendlandes. Wir Politiker. Wir Arbeiter. Wir Denker. Wir Tänzer. Wir Träumer. Wir Liebenden. Wir Perversen. Wir Sozialhilfeempfänger. Wir Nutten. Wir Freier. Wir Junkies. Wir Utopisten. Wir Krieger. Wir Pazifisten. Wir Päpste. Wir Weltmeister. Wir Charlie Hebdos. Wir Künstler. Wir Hebammen. Wir Bergleute. Wir Rechthaber. Wir Wutbürger. Wir Sünder. Wir Atheisten. Wir I-Phone-User. Wir Facebooker. Wir Gotteslästerer. Wir Weltverbesserer. Wir Faulen. Wir Veganer. Wir Karnivoren. Wir Depressiven. Wir Manischen. Wir Außerirdischen. Wir Astronauten. Wir Hundefreunde. Wir Egoisten. Wir Vaterlandsverräter. Wir Neider. Wir Vfler. Wir Ex-Opelaner. Wir Punker. Wir Banker. Wir Anarchisten. Wir Spießer. Wir Enttäuschten. Wir was auch immer…
Zu welchem „WIR“ wollen wir gehören? Welches „Wir“ können wir wählen und welchem „Wir“ können wir nicht entkommen?
Welche Verantwortung erwächst dem Einzelnen als Mitglied einer Gemeinschaft? Wann und wo wird der WIR-Begriff missbraucht und zum Machtinstrument einzelner - und wie lässt sich das verhindern?
Wann wird die Schwarmintelligenz zur Schwarmdummheit?
Jedem „Wir“ steht immer auch ein „Ich“ gegenüber. Das „Ich“ als Teil des „Wir“  trägt Verantwortung.  Ich und wir stecken nicht im Stau, wir sind der Stau. Ich und wir könnten auch die Straßenbahn nehmen oder das Fahrrad oder zu Fuß gehen. Wir haben immer die Möglichkeit, eine andere Entscheidung zu treffen. Wir müssen immer für uns selbst und damit für die Gemeinschaft  Verantwortung übernehmen. Ich, du, wir könnten eine Bürgerinitiative zur Verbesserung der lokalen Verkehrssituation gründen, wir könnten Verkehrsminister werden und das gesamte Verkehrskonzept in Deutschland revolutionieren, oder, oder, oder.
Die Straßenbahn nehmen könnten wir alle.

Ich und wir haben die Freiheit, den Luxus, die Verantwortung für uns zu übernehmen. Diese Verantwortung für uns und für einander lässt sich nicht abgeben, weder mit einem „Like“ auf Facebook noch mit dem bloßen Beitritt in eine Partei oder einen Verein. Nur weil man einem Fitnessstudio beitritt und Beiträge bezahlt, wird man nicht fit und schlank. Dafür muss man schon trainieren.
Statt die Veränderung und Verbesserung der Gesellschaft nur einzufordern, sollten wir selbst versuchen, die Verantwortung dafür zu übernehmen.

Mit den Premieren der Spielzeit 2016/17 wollen wir uns auf die Suche nach den Möglichkeiten und Grenzen der Verantwortung des Einzelnen in der Gesellschaft machen. Einer Gesellschaft, die immer weiter zu zersplittern droht.