Der Mensch - Die fast vollständige Geschichte

Eine Koproduktion des Theater im Bauturm (Köln) & Prinz Regent Theater (Bochum)

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Wirft man einen Blick auf den Sachbuchmarkt, so lassen sich etliche Publikation schnell auf einen gemeinsamen inhaltlichen Nenner bringen: Den Drang, auf möglichst wenigen Seiten möglichst weite historische Zeitspannen abzuhandeln, um endlich einmal das Große Ganze zu erklären. Ob "Eine kurze Geschichte der Menschheit", "Eine kurze Geschichte von fast allem" oder "Eine kurze Geschichte von jedem, der jemals gelebt hat" - stets geht es darum, mit ausholendem Schwung aus der Geschichte und Existenz des Menschen überzeitliche Beobachtungen anzustellen. Die vermeintlichen Säulen der menschlichen Gesellschaft werden dabei zusehends als Fiktionen lesbar: Religionen, Nationen, Währungen und selbst Zuordnungen von Gut und Böse verlieren ihren Charakter als Konstanten und erscheinen stattdessen als unsichere und kurzfristige historische Kompromisse.

Zwei Moderatoren laden zu einem Vortrag ein, der das durchaus utopische Ziel hat, die Geschichte der Menschheit zusammenzufassen. Zwischen den beiden Vortragenden liegt jedoch etwas Unausgesprochenes und zutiefst Menschliches in der Luft. Während die beiden erläutern, weshalb es die Firma „Peugeot“ in Wirklichkeit nicht gibt, oder warum die Domestizierung des Weizens alles andere als ein Segen für die Menschheit war, oder was den Dodo mit Sir Isaac Newton verbindet, werden wir immer wieder Zeugen ihrer Missverständnisse. Wie in den populärwissenschaftlichen Werken, die den Theaterabend inspirierten, reichen sich unerwartete Wissensvermittlung und humorvolle Unterhaltung überraschend die Hand. In nur 80 Minuten erleben Sie die fast vollständige aber stets fesselnde, oft skurrile und erstaunlich makabre Geschichte unserer Spezies.

Mit: Jonas Baeck und Lisa Bihl
Regie: Hans Dreher
Ausstattung: Rabea Stadthaus

Gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

Pressestimmen

Geld, Gesellschaften mit begrenzter Haftung, Religion und sogar Menschenrechte - Produkte der Fantasie allesamt, deren Nebenwirkungen auch Menschen in den wohlhabenderen Teilen der Welt immer deutlicher zu spüren bekommen: Bedürfnisse einigermaßen befriedigt, Planet kaputt.
Solche Erkenntnisse sind in Bestsellern wie "Eine kurze Geschichte der Menschheit" von Yuval Noah Harari derzeit in allen Bahnhofshandlungen nachzulesen. Aber kann die dramatische Bilanz auch auf dem Theater funktionieren? Regisseur Hans Dreher testet dies in "Der Mensch - Die fast vollständige Geschichte", einer gemeinsamen Produktion des Theaters im Bauturm und des Prinz Regent Theaters Bochum, in 80 Minuten. Die Premiere am vergangenen Freitag in Bauturm zeigte: Es geht.
Das liegt nicht zuletzt an den Darstellern Lisa Bihl und Jonas Baeck, die [die] Bearbeitung von Hararis Rundumschlag mit viel Energie und Witz interpretieren. In der Manier beflissener TV-Moderatoren präsentieren sie Sensationen wie „Das Feuer“, „Die Sprache“, „Die industrielle Revolution“ – alle Fakten, alle Tore -, während Baeck sich gekonnt mal „zum Affen macht“ und keckernd durchs Publikum läuft oder in Dodo-Maske von Bihls martialischem Laubbläser von der Bühne gefegt wird.
Zum Stück wird das Ganze aber, weil Bihl die Bemühungen des munter welterklärenden Partners immer wieder ironisiert und schnippische Bemerkungen zu Status der privaten Beziehung zwischen den beiden einwirft. Was gilt schon der allgemeine Untergang verglichen mit dem persönlichen Befinden? (Kölnische Rundschau)