Die Marquise von O.

Schauspiel / Gastspiel Wolfgang Borchert Theater (Münster) von Heinrich von Kleist

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Die Geschichte beginnt im Krieg. Wie immer im Krieg wird gemordet, geplündert, vergewaltigt. Wie ein Engel erscheint in diesem Chaos ein russischer Offizier, der die Marquise in der Nacht der feindlichen Übernahme vor der sexuellen Gewalt seiner Soldaten schützt. Dieses verhinderte Kriegsverbrechen hat Folgen. Am nächsten Morgen werden die Soldaten hingerichtet und der gefeierte Retter verabschiedet sich. Wochen später stellt die Gerettete fest, dass sie schwanger ist. An eine Zeugung kann sie sich nicht erinnern. Für ihren Vater ist das die boshafte Lüge zur Verschleierung sexueller Eskapaden, die Mutter weiß nicht, was sie denken soll, und die Marquise entschließt sich zu einem radikalen Schritt. Per Anzeige sucht sie den Vater des Kindes. Sie führt eine extreme Aufklärungskampagne gegen sich selbst, dabei zeigt sich eine Welt, in der es keine Gewissheiten gibt, nicht einmal die Gewissheit, dass eine Frau über sich selbst sagen kann, ob sie schwanger ist oder nicht. Und wer ist dann der selbsterklärte Vater? Ein Monster? Ein Retter? Ein Engel? Ein Soldat, der einen Fehler begangen hat? Ein Soldat, der den impliziten Regeln des Krieges folgte oder einfach nur ein Mann, der sich verliebt hat? Die Kette der unglaublichen Ungeheuerlichkeit ist an diesem Punkt noch nicht zu Ende, denn gesucht wird die Wahrheit.

Mit: Rosana Cleve
Regie: Tanja Weidner
Bühne & Kostüm: Annette Wolf
Dramaturgie: Silvia Drobny

Pressestimmen

Aktueller kann ein Klassiker kaum sein. Alleine die Zuspitzung auf nur eine Schauspielerin – großartig gespielt von Ensemblemitglied Rosana Cleve –, die die Marquise verkörpert, birgt bereits Zündstoff. Denn die Geschichte wird radikal und überaus schmerzhaft aus der Perspektive der Marquise erzählt. (Westfalium)

"Mit ihrem Fokus auf die Titelfigur schafft Tanja Weidner in ihrer Fassung eine konzentrierte Sicht auf die Erzählung und das bei unter Beweis gestelltem Respekt vor und sehr sensiblem Umgang mit dem Text - ein wirkliches Kleist-Kleinod ist da am Hafen in Münster entstanden. Glückwunsch!"  (Theater Pur)

"Wie Cleve sich diese Sprache angeeignet hat, wie sie die scheinbar alte Geschichte einer ungewöhnlichen Frau zu einer zeitgemäßen macht: Das sichert der Produktion großen Premierenapplaus." (Westfälische Nachrichten)