STURM!

nach Shakespeare

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Die Winde stehen scheinbar günstig, als im Jahr 1607 drei Schiffe von London aus in See stechen, um die gefährliche Überfahrt über den Atlantik in die „Neue Welt“ Amerikas zu wagen, um in Jamestown, Virginia die erste Kolonie der transatlantischen Kolonialgeschichte zu gründen. Doch eines der drei Schiffe, die „Sea Venture“, gerät in einen Sturm und sinkt. Teile der Mannschaft retten sich auf eine der Inseln, die man später die Bermudas nennen wird. Die Schiffbrüchigen erreichen Jamestown mit einer Verspätung von zehn Monate, doch dort sind die Zustände katastrophal, Krankheiten grassieren, viele überleben den Winter nicht.

Auf einige Rückkehrer soll Shakespeare in den Seemannskneipen des Londoner Westend getroffen sein; sie berichten ihm von den Wirrnissen der „Neuen Welt“. Ihr „koloniales Seemannsgarn“ inspiriert Shakespeare zu seinem letzten Stück THE TEMPEST (DER STURM), das er im Jahr 1611, wenige Jahre vor seinem Tod, veröffentlicht.

DER STURM gilt als Komödie mit Happy-End und als persönlichstes Stück Shakespeares. Es erzählt die Geschichte des Zauberers Prospero, des rechtmäßigen Herzogs von Mailand, der durch eine Intrige seines Bruders sein Herzogtum verliert, fliehen muss, auf See in einen Sturm gerät und auf einer Insel strandet. Dort lebt er zusammen mit den ihn dienenden Zauberwesen. Als auch sein intriganter Bruder durch seine Hand auf die Insel gelangt, entspinnt sich ein Verwirrspiel, an dessen Ende sich eine Intrige löst und alle Konflikte befriedet scheinen. Im Epilog Prosperos, den er direkt ans Publikum richtet und mit dem er im wahrsten Sinne des Wortes abtritt, hat man Shakespeares eigene Abschiedsrede vom Theater zu erkennen gemeint. Mit Prospero, dem Magier, tritt auch Shakespeare, der Theater-Magier, von der Welt-(Theater-)Bühne ab.

Doch vielleicht lässt sich dieser Abtritt auch im Sinne der Globalisierung, wie wir sie heute verstehen, diskutieren und problematisieren, mit der gewaltsamen Ausbeutung der Erde und der von ihr besiedelten Lebewesen. Shakespeares Stück weiß bereits sehr früh um diesen Zusammenhang. Doch wie weitreichend der von ihm gewählte Titel „Der Sturm“ ins Herz der Globalisierungsdynamik zielt, ist in vollem Umfang erst heute zu ermessen – in einer Zeit aus Turbo-Kapitalismus und Klimawandel, in der Pandemien, Finanzstürme und Tsunamis über den Planeten toben und mithin ganze Inseln hinwegfegen (ökonomisch wie geografisch) wie jene Insel, auf der Prospero sein Reich begründet hat.

In STURM! will das Bochumer kainkollektiv zusammen mit dem PRINZ REGENT THEATER und einem Team von drei Darsteller*innen Shakespeares berühmtes letztes Stück noch einmal und ganz neu erzählen.

Das kainkollektiv arbeitet seit fast 10 Jahren von Bochum und NRW aus in internationalen Kooperationen, unter anderem mit Theatermacher*innen aus afrikanischen Ländern, insbesondere Kamerun und Madagaskar. In diesen Kooperationen sind große Arbeiten zur Kolonialgeschichte, zur Geschichte der Sklaverei und zum Afrofuturismus entstanden. Seit 2018 erhält das kainkollektiv für seine lokale Arbeit und Vernetzung in Bochum eine Förderung der Stadt.

Regie: kainkollektiv

Ausstattung: PRT

Mit: Alexander Steindorf,

Edith Voges Nana Tchuinang

Live-Musik: Rasmus Nordholt